Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen
Andreas Wagner, MdB

Meine Zeit im Deutschen Bundestag

 

Vor vier Jahren habe ich mich entschieden nach 2013 ein weiteres Mal für DIE LINKE. bei den Bundestagswahlen anzutreten. Die Überraschung war groß, als ich neun Monate später tatsächlich in den Bundestag gewählt wurde - bei mir, meiner Familie, meinem Arbeitgeber und den Genossinnen und Genossen.

Bereits zwei Tage nach dem Wahlabend ging es nach Berlin zur ersten Fraktionssitzung. Meinen Job in einer Einrichtung der Behindertenhilfe, in der ich viele Jahre als Heilerziehungspfleger und zuletzt als freigestellter Betriebsratsvorsitzender tätig war, gehörte von heute auf morgen der Vergangenheit an. Die ersten Wochen wohnte ich in Berlin in einem Hotel. Eines der Hotelzimmer hieß „Collective Story“. Wer hier übernachtete, war eingeladen etwas zu seiner eigenen Geschichte an die Wand zu schreiben. Am Morgen der konstituierenden Bundestagssitzung am 24. Oktober 2017 schrieb ich an die Wand: „Manchmal reicht es, etwas zu wagen und einfach loszugehen und Deine Geschichte ändert sich.“

Viel ist seither passiert. Die vergangenen drei Jahre waren spannend, lehrreich und geprägt vom Willen, ganz persönlich politisch etwas für eine gerechtere und friedlichere Welt beizutragen und getragen von der Überzeugung, dass wir eine Politik brauchen, die nicht ausgrenzt und allen eine Perspektive gibt, eine Politik, die Menschen zusammenführt, die Verständigung untereinander fördert und Vorurteile abbaut.

Es fiel mir nicht leicht, mich in die Welt der Anzug- und Krawattenträger und den schnelllebigen politischen Betrieb im „Raumschiff“ Bundestag einzuleben. Ein tolles, erfahrenes und engagiertes Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter-Team unterstützte mich dabei. In den vergangenen drei Jahren ist viel passiert.

Ich erlebte Höhen und Tiefen, Zugehörigkeit und Ausgrenzung, Erfolg und Scheitern, Loyalität und Iloyalität, Solidarität & Kooperation und Machtkämpfe, Nähe und Distanz, Freude und Traurigkeit, ... Manchmal sah ich mich „zwischen den Stühlen“. Manchmal wurde ich in „Schubladen“ gesteckt. Und es gab Ereignisse, die mich verletzt und sehr getroffen haben und die ich in einer Partei der Solidarität nicht erwartet hätte.

Die bisherige Zeit im Bundestag ist an mir und meiner Gesundheit nicht spurlos vorbeigegangen. Ich habe mich daher entschieden bei den kommenden Wahlen nicht erneut für den Bundestag zu kandidieren. Damit verabschiede ich mich jedoch nicht aus der Politik. Ich werde mich auch zukünftig politisch einmischen!

Jetzt geht es bis zum Ende der Wahlperiode im Herbst aber erstmal volle Kraft voraus - denn es gibt viel zu tun und die Herausforderungen durch die Corona-Krise sind enorm!